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Allerlei Kinderspäße und Blödeleien Drucken E-Mail
Kuckuck, liebe Mädchen, kuckuck, liebe Buben! Seid ihr eh alle wieder da, ja? Da bin ich aber froh! Und mein lieber Freund, der Sokrates, freut sich auch sehr! Mein Sokrates ist aber nicht der Hund, der Cockerspaniel – der heißt zufällig auch so –, und ich bin auch nicht der Helmi: Die beiden gibt’s nur im österreichischen Kinderfernsehen. Wir beide kommen nur da vor, in der Zeitung halt, die Du da gerade liest. Leider hat die Zeitung nie Comics drinnen, des is’ echt schad’, aber da kann ma’ nix machen! Soki_115Dafür ist der Sokrates irre g’scheit, er sagt zwar immer, dass er nix weiß, aber damit weiß er schon mehr als die vielen Erwachsenen, die immer nur so g’scheit tun, aber eh nix versteh’n. Früher hat der Sokrates einen anderen Freund g’habt, den Platon, und der hat alle Geschichten vom Sokrates aufgeschrieben, aber die anderen Buben und Mädchen in meiner Klasse finden die fad! Schade! Jetzt ist der Sokrates mein Freund, und ich schreib’ auch unsere Abenteuer auf, aber lustig, statt der fehlenden Comic-Seite halt! So, jetzt muss aber der Sokrates kommen, ich mag anfangen und ihr wollt’s ja was mit uns erleben. Bitte helft alle mit beim Rufen: Soki! Soki! Soki! Wo bist Du?

Uff, peinlich dieser erste Absatz, wie kann ich nur so etwas schreiben? Ähm, also nochmals: Hallo, liebe, geschätzte Leserin, lieber, geschätzter Leser! Ich freue mich, Dich an dieser Stelle wieder begrüßen zu dürfen. Ich gebe ja zu, dass unser heutiger Artikel von Kindern oder vielmehr von „kindlichen“ Erwachsenen handelt: Mal sehen, was Du dazu sagen wirst.
Aber bevor ich beginne: Beim Begriff „Kinder“ fällt mir ein weiteres Thema ein, über das ich auch sehr gerne geschrieben hätte: Und zwar geht es um die Kinderüberraschungs-Eier. Diesen Sommer hat die deutsche Bundestagsabgeordnete Frau Miriam Gruß verlangt, dass die Überraschungseier dringend auf „den Index (welchen?) gesetzt werden“ und daher aus den Verkaufsregalen verschwinden sollten. Der Grund: Die Kinder können zwischen Schokolade und Spielzeug nicht unterscheiden und verschlucken die Plastikteilchen und Figuren. Auch in der EU gibt es einige Stimmen, die für eine strikte Trennung von Süßigkeiten und Spielsachen sind. Schließlich wurde aus Brüssel verlautbart: „Die kleinen Plastikteile werden von den Kinder nicht nur verschluckt, sondern auch inhaliert.“ Das sollte wirklich nicht sein! Die Kinder können den Erwachsenen doch nicht alles weginhalieren!!! Ja, ich geb’s ja zu, ich brauch das Zeug selber: Zweimal pro Woche schleiche ich nachts in das Kinderzimmer meiner sechsjährigen Tochter Sigrun, schnappe aus ihrer Lieblingslade zwei „Happy-Hippo-Figuren“ (erfahrene Väter wissen, wovon ich spreche) und ruckzuck ziehe ich mir die beiden Dinger rein. Das fährt voll ab! Gut, Sigrun fällt das Verschwinden der Figuren allmählich auf und neulich stellte sie mich sogar zur Rede. Ich habe mich auf eine gute Fee ausgeredet, welche die Figuren in der Nacht „ausborgt“ und sie in den Zauberwald bringt, damit die Zwerge was zum Spielen haben. Zum Glück hat sie mir das geglaubt. Aber zurück zur EU: OK, Brüssel, ich gebe auf! Verbietet die Eier, wenn sie so gefährlich sind! Ich schnupfe in Zukunft Playmobil-Männchen oder Pokemon-Figuren, die geben auch was her! Und nun, „weise“ EU, verbiete doch noch viele weitere „gefährliche“ Sachen, wie zum Beispiel genmanipulierte Lebensmittel. Ich fürchte, das traust Du Dich nicht: Gegen das italienische Unternehmen Ferrero, welches die Kinderüberraschungs-Eier produziert, da fühlst Du Dich stark, aber bei einem amerikanischen Konzern, wie dem Gen-Mais-Produzenten Monsanto, da ziehst Du den Schwanz ein!

„Nanu, lieber Peter, was hast du denn heute für eine Sprache drauf?“
„Salve, lieber Meister, ich habe gar nicht bemerkt, dass Ihr schon anwesend seid. Ich war sozusagen noch beim Prolog, meinem Einleitungsmonolog, gerichtet an die Leserinnen und Leser, und ich bin tatsächlich ein bisschen emotional geworden.“
„Wenn es um das Verbot der Überraschungseier durch die EU geht, dann darf ich dich beruhigen. Wenn diese Ausgabe von ,Abenteuer Philosophie‘ erscheint, dann wird alles beim Alten geblieben sein und du kannst weiter deine Figuren sammeln.“
„Pst, Meister, das muss doch niemand wissen.“
„Tut mir leid, hm!“
„Und jetzt zu unserem heutigen Thema, den Kindern.“
„Schön!“
„Eigentlich geht es nicht um die Kinder, sondern um die fehlenden Kinder.“
„Du sprichst in Rätseln, oh mein kryptischer Schüler!“
„Also es geht um Folgendes: Nicht nur in Europa, nein, auch in Japan führt der allgemeine Wohlstand dazu, dass immer weniger Kinder zur Welt kommen.“
„Das ist mir bekannt!“
„Darunter leiden einige Unternehmen.“
„Auch die Firma Ferrero, die dadurch weniger Überraschungseier verkaufen kann?“
„Schluss, nicht mehr dieses Thema! Es ist Disneyland-Tokio, welches aus diesem Grund viel weniger Besucher pro Jahr verzeichnet und daher über Umsatzrückgänge klagt.“
„Sag mal, gibt es im heutigen Artikel noch irgendeine philosophische Botschaft oder hast du einen Job beim Nachrichtensender N-TV angenommen?“
„Nein! Ich komme zum Punkt: Also die findigen Manager hatten eine neue Idee: Man versucht jetzt Senioren und Seniorinnen in den Freizeitpark zu locken. Alle Menschen, die mittels Ausweis belegen können, dass sie älter als 60 Jahre sind, können eine Jahreseintrittskarte um umgerechnet ca. 220 Euro erwerben und dann nach Herzenslust mit der Dumbo-Achterbahn fahren, sich mit Donald oder Micky fotografieren lassen oder Aschenputtels Palast besuchen.“
„Ich bin sprachlos. Wird das von den Japanerinnen und Japanern auch angenommen?“
„Sicher. Die Besucherzahlen gehen wieder nach oben. Die grauen Panther schlagen also auch im Fernen Osten wieder zu!“
„Also ich kann mir das alles nicht vorstellen …“
„Kein Problem, lieber Meister: Drehen wir doch ganz einfach die Zeit ein paar Jahre weiter, dann können wir einen Situationsbericht abliefern.“

Tokio 2040 – das Jahr, in dem wir mit Goofy Kontakt aufnahmen.
Peter: „Jetzt hat mir der Mann an der Kasse nicht geglaubt, dass ich schon über 80 bin! Ich hätte fast nicht den Spezial-Rabatt gekriegt.“
Sokrates: „Mach dir nichts draus, du schaust ja wirklich erst wie 75 aus!“
Peter: „Na gut! Was machen wir denn als Erstes? Besuchen wir die Aristocats oder Entenhausen?“
Sokrates: „Nein, ich mag lieber zur Meerjungfrau Arielle.“
Peter: „Nein, die mag ich nicht! Gehen wir lieber zur Cinderella, die ist ja so schön!“
Sokrates: „Schau, da ist ja der Goofy, mit dem lassen wir uns jetzt fotografieren.“
Peter: „Nicht so schnell, ich komm mit meinem Rollstuhl gar nicht nach! Halt, einen Moment, Sokrates. Hast du nicht die Achterbahn gesehen? Ganz schön steil. Aber die Wagerl sind wirklich rollstuhlgerecht gebaut worden, schön breit. Damit möchte ich fahren!“
Sokrates: „Wie du willst.“
Peter: „He, pass auf! Hallo, ich rede mit Ihnen! Schalten Sie das Hörgerät lauter! … Habt Ihr das gesehen, lieber Meister? Dieser 94-jährige alte Depp hat sich vorgedrängelt! So was Brutales!“
Sokrates: „Du hast recht, das ist ein Gedränge und Geschiebe hier. Mich freut’s gar nicht mehr! Weißt du was, in Japan gibt es auch ein Pokemon-Land, da kriegen wir Senioren auch Ermäßigung, da fahren wir jetzt hin.“
Peter: „Lieber nicht. Ich fürcht’ mich ja so vor diesen vielen schiachen Viecherln! Grauslich sind die! Weißt was: Wir fahren doch ins Lego-Land, da gibt es vielleicht auch noch Playmobil-Männchen oder Happy Hippos. Die hab ich auch als junger Mann schon so gern g’habt!“

„Danke für diese Gedankenreise, lieber Peter! Ich möchte zurück in die Gegenwart!“
„Wir sind bereits wieder da.“
„Hat nicht Neil Postman ein Buch geschrieben mit dem Titel Das Verschwinden der Kindheit?“
„Richtig!“
„Vielleicht sollten wir das Ergänzungsbuch schreiben: Das Verschwinden des reifen Erwachsenen.“
„Das halte ich für eine sehr gute Idee! Aber das wird dann ein Thema für eines unserer kommenden Gespräche sein.“
„In Ordnung. Im Moment geht mir kein Brüssel ab, keine Schokolade und kein Disney-Land. Ich bin einfach froh, hier zu sein und einfach einmal – einen Artikel lang – mit Euch aus Herzenslust herumzublödeln.“
In der Hoffnung, liebe Leserin, lieber Leser, dass Du das auch ab und zu noch kannst, grüße ich Dich, bis zum nächsten Mal!
(Peter Schmidt)
 

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