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Wer bin ich? Heiteres Berufe-Raten anno 2008 Drucken E-Mail
Hallo, liebe, geschätzte Leserin, lieber, geschätzter Leser. Ich freue mich, Dich an dieser Stelle von „Abenteuer Philosophie“ wieder begrüßen zu dürfen! Heute wird’s ein bisschen nostalgisch. Ich frag gleich mal was: Sagt Dir, liebe Leserin, lieber Leser, der Titel „Wer bin ich?“ noch etwas? Nein??? Oh Mann, ich werde langsam alt! Also: Das war ein sehr beliebter Fernsehquiz mit Robert Lembke, bei dem ein vierköpfiges Rateteam jeweils die Berufe der anwesenden Gäste erraten sollte. Es durften nur Fragen gestellt werden, die mit JA oder NEIN zu beantworten waren („Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie nicht …“). Nach dem zehnten NEIN hatten die Gäste gewonnen (maximal 50 Deutsche Mark!!!), es sei denn, das Rateteam hatte bis dahin bereits den gesuchten Beruf herausgefunden.Soki_114 Immerhin, die Sendung lief von 1961 bis 1989, und es gab später  immer wieder adaptierte Nachfolgersendungen. Ich erinnere mich gut: ein sehr bescheidenes Fernsehstudio, ein familiärer Rahmen und keine Scheinwerfer-Lichteffekte. Nicht so aufgeblasen wie „Wer wird Millionär?“ oder „Die Millionen-Show“. Und da komme ich zum heutigen Thema: Ich bin ja beruflich mit arbeitsmarkt-politischen Maßnahmen beschäftigt und verfolge daher auch die Jobangebote in den Tageszeitungen und im Internet. Unter uns: Die Berufsbezeichnungen werden immer unverständlicher, aber ich sehe darin auch tolle Möglichkeiten für einen neuen Quiz. Und meine Idee dazu ist folgende: Das alte Was-bin-ich-Konzept mit der neuen Millionen-Show-Kulisse. Aber bevor ich mich damit an den ORF wende, teste ich das erst mal bei meinem väterlichen Freund und Lehrmeister, Sokrates. Mal sehen, was dabei rauskommt.

„Schönen Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie wieder herzlich bei ,Was bin ich?’ Und hier ist schon unser heutiger Gast, der berühmte griechische Philosoph, Sokrates!“
„Danke, danke, lieber Peter.“
„Bitte nehmt Platz!“
„Da auf diesem hohen Stuhl? Na schön.“
„Die Aufgabe ist ganz einfach. Ich habe in österreichischen Tageszeitungen und im Internet die Jobangebote studiert und sieben Berufsbezeichnungen gefunden, die ich Euch nennen werde. Ihr müsst nur sagen, welche Berufe gemeint sind.“
„Na, das klingt aber leicht. Ich weiß, wer ein Schneider ist, wer ein Schuster ist …“
„Tja, aber wir leben im 21. Jahrhundert und die englische Sprache ist auch hier dominant. Also fangen wir an. Was ist ein HUMAN RESOURCES DIRECTOR?“
„Hm, Human bedeutet Mensch, Ressourcen sind die Betriebsmittel, Rohstoffe. Seit wann sind Menschen eigentlich Rohstoffe? Das ist doch herabwürdigend! Der Mensch als Rohstoff, das gab’s doch nur zu der Zeit, als Menschen als Sklaven gehandelt wurden. Mit Direktor ist natürlich eine leitende Position gemeint. Na gut, ich versuch’s mal: Geschäftsführer einer Firma, die mit Sklaven handelt.“
„Nein, ganz falsch! Damit ist ein Personalchef oder eine Personalchefin gemeint.“
„Ach so? Wenn du meinst …“
„Und nun zur zweiten Frage: Was ist ein MASTER OF WELCOME?“
„Master könnte ein Meister oder ein Magister sein, und welcome hat mit willkommen zu tun. Ich rate mal: ein Zeremonienmeister bei öffentlichen Feierlichkeiten beim englischen Königshaus.“
„Nein, viel zu hoch gegriffen.“
„Was ist die Lösung?“
„Das ist die Bezeichnung für eine Empfangsdame oder einen Empfangsherrn.“
„Wie, so einfach?“
„Ja, so einfach! Also nächste Runde: Wenn ein Unternehmen einen FACILITY MANAGER sucht, welche Aufgaben hätte der dann zu erfüllen?“
„Ich habe keine Ahnung, warum gibst du mir dauernd englische Begriffe?“
„Weil ich die Bezeichnungen in den Medien so gefunden habe. Ich gebe Euch eine Hilfe: Facility bedeutet übersetzt unter anderem auch Anlage, Einrichtung.“
„Manager der Anlage, … vielleicht ein Architekt?“
„Leider nein.“
„Die Leitung von Disney-World in Frankreich?“
„Schon besser, aber immer noch zu hoch gegriffen, vereinfacht gesagt ist es der Hausmeister oder die Hausmeisterin.“
„Aber warum die Bezeichnung Manager?“
„Vielleicht aus demselben Grund, aus dem die Empfangsdame zur Meisterin mutiert?“
„Das könnten wir tatsächlich noch erörtern. Wie ist denn derzeit mein Punktstand?“
„Ähm, derzeit steht es 0:3 gegen Euch.“
„Ich glaube, ich brauche mal eine Pause …“
„Ja, das passt ganz gut, denn jetzt kommt die Publikumsrunde, oder genauer gesagt die Heimleser- und Heimleserinnen-Aufgabe: Welche Berufe sind das –  HEAD OF VERBAL COMMUNICATIONS und PETROLEUM TRANSFER ENGINEER?“

„Na, da bin ich ja froh, dass ich da nicht dran war!“
„Als Nächstes ein Klassiker sozusagen: Was ist ein WASTE REMOVAL ENGINEER?“
„Hm, heißt waste auf Englisch nicht Müll? Und remove soviel wie fortbewegen? Ein Ingenieur der Müll-Fortbewegung ist vielleicht ein Entsorgungstechniker?“
„Ein Mitarbeiter der Müllabfuhr ist gemeint!!! Aber der Entsorgungstechniker gefällt mir auch gut, daher ein Punkt für Euch! Und gleich die nächste Frage …“
„Halt, ich weiß schon die Antwort: die Klofrau!“
„Wie? Nein, falsch! Also für diesen Beruf habe ich tatsächlich noch keine akademische Formulierung gefunden. Aber ein persönlicher Vorschlag wäre: DISPOSING EXCREMENTS ASSISTANT. Vielleicht sollte ich mir ein Copyright auf diese Bezeichnung sichern? Aber jetzt zu Eurer Frage: Welchen Beruf bezeichnet ENVIRONMENT IMPROVEMENT TECHNICIAN?“
„Das findest du alles im deutschsprachigen Anzeigenmarkt??“
„Ja.“
„Ich verstehe die Wörter überhaupt nicht!“
„Also environment bedeutet unter anderem auch Umgebung und improvement verbessern, und das Wort Technik ist wohl klar.“
„Also eine die Umgebung erneuernde/verbessernde Person ist vielleicht eine … Putzfrau??“
„Korrekt heißt das zwar mittlerweile Reinigungsfachkraft, aber ja, das stimmt! Es steht nur mehr 2:3, sozusagen ein wissensmäßiger Anschlusstreffer.“
„Was bin ich da aber froh.“
„Es geht weiter: VISION CLEARANCE ENGINEER.“
„Ein Ingenieur, der Visionen klärt, was soll das denn sein. Ich verstehe schon, der Titel bedeutet gar nichts, also: ein Bild wird klarer, was wird im Alltag klarer, durchsichtiger, ich hab’s, ein Fenster wird klarer, also ein Fensterputzer!“
„Richtige Antwort, es steht 3:3.“
„Findest du, lieber Peter, diese Berufsbezeichnungen sinnvoll? Das sind doch nur mehr alles Worthülsen, jeder wird dadurch zum Magister, Techniker oder Ingenieur, was soll das alles?“
„Nun, zumindest sprachlich werden einzelne Berufsgruppen aufgewertet, auch wenn sonst nichts dadurch verändert wird. Aber jetzt kommen wir zur Master-Frage, es geht um alles oder nichts: Wer ist an dieser Stelle gemeint: MASTER OF GLOBAL KNOWLEDGE ABOUT MANKIND AND THE MEANING OF LIFE?“
„Schrecklich diese Formulierung, da kennt sich ja kein Mensch mehr aus. Sei mir nicht böse, lieber Peter, aber ich steige hier aus. Ich weiß nur, dass ich Philosoph bin, und sonst weiß ich eigentlich nichts. Tschüs, bis zu unseren nächsten Gesprächen …“
„Halt, Meister! Kommt zurück, die Antwort PHILOSOPH ist ja ohnehin richtig gewesen! Auch wenn Ihr nichts wisst, habt Ihr dennoch gewonnen, 4:3 für Euch! Hallo Sokrates, der Artikel ist ja noch nicht aus! Ich gebe ja auch zu, dass ich mir den letzten Begriff selbst ausgedacht habe, aber die anderen gibt es leider wirklich … Zu spät, er ist schon weg! Naja macht auch nichts, dann beende ich den Artikel eben alleine. Vielleicht denke ich mir doch ein andere Quizsendung aus, dieser mein erster Versuch war wohl nicht so toll. Jetzt fehlt nur mehr die Auflösung der Heimleser- und Heimleserinnen-Aufgabe: Sekretär /Sekretärin und Tankwart waren gemeint. In der Hoffnung, dass Du den einen oder anderen Beruf richtig geraten hast, verabschiede ich mich. Bis zum nächsten Mal!“
(Peter Schmidt)
 

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