Hallo, liebe Leserin, lieber Leser! Na, überrascht? Sokrates und ich sind nach einer Abwesenheit in zwei Ausgaben von „Abenteuer Philosophie“ wieder zurück. Die Durststrecke ist vorbei! Wenn wir keine Artikelserie wären, sondern ein Film, dann würde der jetzt „The philosophers strike back again“ heißen oder so ähnlich. Egal, unser heutiger Titel ist ja auch nicht schlecht! Nochmals herzlich willkommen bei diesen Zeilen.
Übrigens, der Grund für die Pause war folgender: Ich wollte mal was anderes machen und habe ein Theaterstück geschrieben, Ja, wirklich! Erst hatte ich kurz überlegt, was den Österreicherinnen und Österreichern gefallen würde. Um, zum Beispiel, am berühmten Wiener Burgtheater aufgeführt zu werden, muss man ja seinem Publikum schon einiges bieten: Leintücher, die mit Tierblut verziert werden, oder man schimpft auf der Bühne auf das Land Österreich im Allgemeinen oder auf die vertrottelten, spießigen, geistig impotenten Hinterwäldler, die da im Zuschauerraum sitzen, im Besonderen. Das hat mich alles sehr inspiriert und daher habe ich folgendes Stück geschrieben: „Die große Publikumsbespuckung“. Das Stück wäre auch ein toller Erfolg geworden, aber ich hatte beim Schreiben eines nicht bedacht: Beim Casting der Schauspieler stellte sich nämlich heraus, dass auch die Talentiertesten es gerade schaffen würden, bis zur 7. oder 8. Reihe zu spucken. Alle dahinter hätten also nichts davon gehabt. Vor allem die Zuseherinnen und Zuseher auf dem 1. und 2. Rang wären fürchterlich enttäuscht gewesen, und daher habe ich das Projekt wehmütig fallen gelassen. Schade! Ein wichtiger Beitrag zur kulturellen Vielfalt unseres Landes konnte nicht verwirklicht werden. Und deshalb gibt es jetzt wieder regelmäßig die Gespräche mit Sokrates in dieser Zeitschrift. Übrigens, liebe Leserin, lieber Leser: Bist Du noch im fortpflanzungsfähigen Alter? Ja? Dann dürfte Dich dieser Artikel besonders interessieren. Los geht’s! Endlich hatte ich die Wohnung aufgeräumt. Alles war auf seinem Platz: das Büromaterial, meine Coaching-Unterlagen, die Bücher, die CDs und die DVDs. Nein, etwas fehlte noch! Sofort fing ich an, Laden und Regale nochmals zu durchstöbern. Wo konnten sie sein? Da klingelte es an der Tür, entnervt erhob ich mich, eilte in den Vorraum und öffnete: Es war Sokrates, in bester Stimmung und voller Tatendrang. „Hallo, lieber Peter.“ „Seid gegrüßt, lieber Meister, kommt doch herein!“ „Danke.“ „Möchtet Ihr etwas zu trinken? Einen Tee vielleicht?“ „Sehr gerne.“ „Ich setze gleich einen auf, geht schon mal ins Wohnzimmer, ich komme gleich nach! Ach, übrigens, wenn Ihr zufällig eine Fernbedienung finden solltet, wäre ich Euch sehr dankbar!“ Nach sieben Minuten war der Tee fertig. „So, alles da! Oh, super, Ihr habt ja in der Zwischenzeit die Fernbedienungen gefunden!“ „Sie lagen alle hinter dem Sofa. Aber sag, seit wann brauchst du denn gar so viele?“ „Viele? Die sind doch alle notwendig für mich und meine Familie: Eine Fernbedienung für den Fernseher, eine für den DVD-Player, eine für die SAT-Anlage, eine für den alten Video-Recorder, einen für das HiFi-Center, zwei für die Anlagen meiner Kinder, eine Universal-Fernbedienung, die nicht richtig funktioniert, und seit kurzem auch eine für meinen neuen Computer. Sind eh nur neun!“ „Kommst du damit nicht durcheinander?“ „Nein, nicht wirklich, höchstens 5- bis 6-Mal.“ „Pro Monat?“ „Nein, schon eher pro Tag.“ „Ist das nicht ein bisschen viel?“ „Nein, ist gar nicht schlimm. Wenn ich zum Beispiel am Abend fernsehen will, dann suche ich zuvor etwa 20 bis 30 Minuten die richtige Fernbedienung. Ich bücke mich, ich krieche auf allen Vieren, ich recke und strecke mich, verrenke meinen Körper fakirmäßig und wenn ich sie dann gefunden habe, bin ich schon so müde, dass ich mich gleich zum Schlafen niederlege.“ „Und warum schaltest du nicht direkt am Fernseher an und aus?“ „Also damit kennt sich heutzutage niemand mehr aus, direkt am Gerät, wie geht das?“ „Das weißt du nicht mehr?“ „Tja, wie das Leben halt so spielt.“ Ich nahm einen weiteren Schluck Tee: „Übrigens, da habe ich gelesen, dass es bald eine neue Verhütungsmethode mit einer Fernbedienung geben soll.“ „Du meinst einen Fernseher, bei dem gerade ein Spiel der Fußball-Europameisterschaft läuft?“ „Nein, was anderes: Da Verhütung auch Männer-Sache ist, aber die Vasektomie, also die Durchtrennung der Samenstränge beim Mann, meist irreversibel ist, was wiederum nicht alle wollen, haben Wissenschaftler an der Universität von Adelaide, Australien, was Neues entwickelt. Dazu wird ein flexibles künstliches Ventil aus Silikon-Polymer in die Samenleiter eingepflanzt, das je nach Wunsch den Samen fließen lässt oder nicht. Die Steuerung des Ventils, beziehungsweise seiner Ausdehnung, soll dabei über eine Fernbedienung von außen erfolgen. Also Knopf drücken auf ON – Ventil zu, drücken auf OFF – Ventil offen. ON – OFF – ON – OFF – ON – OFF.“ „Und wird das dann deine Fernbedienung Nummer 10?“ „Weiß noch nicht!“ „Na hoffentlich verwechselst du ON und OFF nicht, das hätte sonst ungeplante Folgen!!!“ „Ha, ha!“ „Ist doch so!“ „So, genug davon. Ich glaube nicht, dass ich in ,Abenteuer Philosophie‘ mein Reproduktionsverhalten darlegen werde!“ Ich begann das Thema zu wechseln: „Wollen wir nicht ein wenig fernsehen? Es wäre gerade eine Sendung über unseren Freund Giordano Bruno.“ „Ganz wie du willst, oh mein wissbegieriger Schüler!“ Ich schaltete den Fernseher ein. Die Dokumentation über Giordano Bruno hatte gerade angefangen. Plötzlich machte es schwupp, und auf einmal sahen wir „Shaun das Schaf“ am Kinderkanal! „Warum hast du umgeschaltet, Peter?“ „Ich? Ich hab gar nichts gemacht!“ „Warum hat sich dann der Fernsehkanal verändert?“ „Hm, ich glaube, ich weiß es: Mein neuer Wohnungsnachbar hat seinen Fernsehapparat anscheinend nicht weit entfernt von unserem aufgestellt, nur durch eine nicht allzu dicke Wand getrennt. Und wenn er ebenfalls fernsieht und mit seiner Fernbedienung zu ,zappen‘ beginnt, dann wechselt auch bei uns das Programm. Lästig, aber es ist so.“ Sokrates’ Augen bekamen einen schelmischen Ausdruck: „Hm …“ „Was hm?“ „Denkst du, was ich auch denke?“ „Was denn?“ „Also, nehmen wir Folgendes an: Du hast dir so ein Ventil einbauen lassen und kannst es mit einer Fernbedienung, der zehnten (!), steuern und du schaltest auf OFF – keine Babys möglich! Dein Wohnungsnachbar sitzt gerade gemütlich vor seinem Fernseher und schaltet von einem Kanal zum nächsten. Der Wirkungskreis seiner Fernbedienung durchdringt die Mauer und auf einmal steht bei dir das Ventil auf ON. Ist das nicht witzig?“ „Zum Brüllen komisch!“ „Er sieht fern und schaltet auf die US-Serie ,Sex and the City‘ und bei dir stellt sich das Ventil auf ON, dann schaltet er weiter auf den Action-Film ,Mission impossible‘ und bei dir geht das Ventil auf OFF! Hahahahaha!“ „Ja, irre witzig!“ „Hahahahaha!“ „He, Moment da habe ich eine gute Idee für ein neues Theaterstück: Der fernbediente Mensch! Ein Mann lässt sich nicht nur ein Ventil im Unterleib einpflanzen, um die Fruchtbarkeit zu regeln, sondern auch im Großhirn, sodass neuronale Impulse mittels Fernbedienung gesteuert werden können, Denken AN oder Denken AUS.“ „Das scheint es aber schon zu geben, lieber Peter. Oder verfolgst du nicht die Tagespolitik?“ „Wie? Ach, ja. Diese Fernbedienungen scheint es wirklich schon zu geben. Mist, dann muss ich halt nach weiteren Themen suchen.“ „Wie auch immer. Ich denke, dass der Mensch des 21. Jahrhunderts mit möglichst wenigen Fernbedienungen sein Leben meistern sollte. Es wäre doch schade, wenn alles nur mehr per Knopfdruck klappen sollte.“ „Der Meinung kann ich mich nur anschließen, lieber Meister. In diesem Sinne beenden wir den Artikel mit einer alten Bauernregel, die ich soeben erfunden habe: Wenn Du am Abend Deine Fernbedienung nicht finden solltest, dann freu Dich darüber, sie taucht sicher wieder auf, vielleicht sogar schneller, als Dir lieb ist! Bis zum nächsten Mal!“ (Peter Schmidt)
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