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„Irgendwann bleib i dann dort“ Drucken E-Mail
(Songtitel des österreichischen Austropop-Trios STS)

Hallo, liebe, geschätzte Leserin, lieber, geschätzter Leser! Ich freue mich, Dich an dieser Stelle wieder begrüßen zu dürfen, zu einer neuen Gesprächsrunde mit meinem väterlichen Freund und Lehrmeister Sokrates. Was hältst Du eigentlich vom Titel? … Wie? Der sagt Dir gar nichts??? Ich hätte auch folgenden wählen können: „Reif für die Insel“ (Songtitel des österreichischen Liedermachers Peter Cornelius)soki_109 … Was? Auch der sagt Dir nichts? Ach so, einige von Euch leben gar nicht in Österreich und kennen sich in der österreichischen Musik-Szene nicht so aus! Und wenn Du doch hier in Österreich zu Hause bist und Du damit nichts anfangen kannst? Dann bist Du wahrscheinlich noch relativ jung! Die beiden Lieder waren in den 1980er Jahren bei uns ziemlich populär! Sicherlich kannst Du aus den Titeln ableiten, worum es diesmal gehen könnte. Aber wie bringen Sokrates und ich diese Lieder, die neueste astronomische Entdeckung und ein medizinisches Fachbuch aus dem Jahr 1941 zu einem Thema zusammen? Lies doch weiter … wenn Du Dich traust, denn die heutigen Erkenntnisse sind ganz schön gruselig!!!

Es war Ende April dieses Jahres. Endlich nahm ich mir wieder einmal einen Tag Zeit, in einigen meiner gekauften, aber noch nicht gelesenen Büchern zu schmökern: Unter anderem hatte ich mir ein Buch des kürzlich verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Kurt Vonnegut gekauft, mit dem Titel: „Mann ohne Land“. Vonnegut beschreibt darin kritisch und gewitzt sein Heimatland, die USA. Es erinnerte mich an Michael Moores „Stupid White Men“, aber Vonnegut gefiel mir eindeutig besser! Er hatte an einer Stelle seines Buches ein weiteres erwähnt und alle seine Leser aufgefordert, dieses Buch dringend zu studieren. Also setzte ich mich an den Computer und recherchierte nach diesem Werk. Anscheinend wurde es bis heute noch nicht ins Deutsche übersetzt, dafür kann man es unter dem Link http://www.cassiopaea.org/cass/sanity_1.PdF kostenlos auf Englisch herunterladen. Ich nahm also all meine Englisch-Kenntnisse zusammen und begann zu lesen …
Da läutete es an der Wohnungstür. Ich sprang auf, eilte in die Diele, öffnete und – wer sollte an dieser Stelle sonst erscheinen? – Sokrates! Gut gelaunt trat er ein.

„Salve, lieber Peter! Da bin ich, danke für deine Einladung!“
„Salve, lieber Meister, ich freue mich, dass Ihr da seid. Kommt gleich mit, ich gerade habe ein ganz spannendes Buch im Internet gefunden.“
„Ist es vielleicht ein Vorabdruck des letzten Bandes von Harry Potter?“
„Nein, viel unheimlicher! Es heißt ,The mask of sanity’ und wurde 1941 von Dr. Hervey Milton Cleckley verfasst.”
„Nie gehört! Wer war denn das?“
„Nun, er lebte von 1903 bis 1984 und war ein anerkannter amerikanischer Psychiater und ein Pionier auf dem Gebiet der Psychotherapie.“
„Klingt ja interessant. Und worum geht es in diesem Buch?“
„Nun, ganz kurz zusammengefasst: Er beschreibt darin eine emotional-seelische Fehlfunktion einiger Menschen, die er mit PP (psychopathische Persönlichkeit) abkürzt.“
„Beim Hippokrates! Und was ist diese Fehlfunktion?“
„Cleckley meint Folgendes: Genauso wie manche Menschen taub oder blind oder mit einem anderen Handicap zur Welt kommen, so gibt es auch jene mit dem angeborenen PP-Defekt. Das sind Menschen, die scheinbar kein Gewissen haben und in ihrem Leben keinerlei ethisch-moralische Richtlinien annehmen können. Dabei sind sie aber schlau, entschlussfreudig und immer auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Sie sind sehr aktiv und haben anscheinend niemals Angst. Im Gegensatz zu normalen Menschen sind sie nie von Zweifeln erfüllt, und das aus dem einfachen Grund, dass es ihnen völlig egal ist, was als Nächstes passiert. Sie können nach außen sehr freundlich erscheinen, aber in ihrem Innersten sind sie eiskalt und es schert sie nicht das Geringste, ob andere Menschen durch ihre Handlungen Nachteile oder schwere Missstände zu erleiden haben.“
Sokrates holte tief Luft: „Sag mal, wir wollen doch unsere Leserinnen und Leser mit unseren Gesprächen philosophisch erheitern!“
„Na ja, folgendes Faktum ist doch witzig: Während vor 66 Jahren Menschen mit dem PP-Defekt noch als psychisch krank bezeichnet wurden, die dringend behandelt werden mussten, so gelten sie heutzutage oft als erfolgsorientierte Vorbilder: Wie zum Beispiel ein gewiefter Manager, der eine Firma dadurch saniert, dass er möglichst viele Mitarbeiter entlässt, egal wie lange und wie engagiert diese im Unternehmen bereits tätig waren. Und wenn so ein toller Macher dennoch damit die Firma ruiniert, dann kassiert er, wie in seinem Dienstvertrag zum Glück festgehalten, noch mehrere Jahresgehälter als Abfertigung. Und danach globalisiert er woanders munter weiter. Aber mir fallen auch Leute aus der Politik ein und auch jene, die in großen, weltweit agierenden internationalen Verbänden und Organisationen tätig sind. Aber natürlich findet man PPler fast überall. Und leider handeln auch immer mehr gesunde Menschen so wie die PPler. Und das ist doch irgendwie komisch, oder?“
„Wie du meinst, lieber Peter! Aber kann ein PPler einen anderen Menschen mit seiner Krankheit wirklich anstecken?“
„Keine Ahnung. Vielleicht wird PP durchs Niesen übertragen? Oder durchs Fernsehen? Oder durch genmanipulierte Sojaprodukte? Oder durchs Internet? “
„Komisch, dass Cleckleys Buch so in Vergessenheit geraten ist.“
„Na die PPler haben ja kein Interesse daran, dass man so viel über ihre Krankheit spricht.“
„Fühlst du dich eigentlich resistent dagegen?“
„Im Moment schon noch. Aber wer weiß? Vielleicht lassen meine Abwehrkräfte auch mal nach! Ich überlege ja schon auszuwandern, irgendwohin auf eine einsame Insel oder eine abseits gelegene Almhütte, ohne Niesen, ohne Telekabel und ohne Soja-Dings. Aber vielleicht ist die ganze Welt schon angesteckt! Was dann???“
„Du, da habe ich was gelesen, was dir helfen könne. Neulich wurde am Genfer Observatorium ein Planet entdeckt, Gliese 581c mit Namen, der erdähnliche Bedingungen aufzuweisen scheint. Es herrschen dort angenehme Temperaturen vor, von -3 bis +40 °C. Da ist das Klima noch in Ordnung. Es dürfte Wasser geben, er ist etwas größer als die Erde und er umkreist seine Sonne in nur 13 Erdentagen. Und es gibt aller Wahrscheinlichkeit nach keine PPler dort!“
„Super, dorthin sollten wir auswandern. Wo ist er denn ungefähr am Himmel beheimatet?“
„Er befindet sich ungefähr im Sternbild der Waage. Und hier gibt es den einzigen kleinen Nachteil.“
„Welchen?“
„Er ist 20,4 Lichtjahre von der Erde entfernt, das sind rund 200.000.000.000.000 Kilometer!“ (= 200 Billionen)
„Mist, das ist schön weit!“
„Ich habe dir auch nur deswegen davon erzählt, dass du wieder auf andere Gedanken kommst, lieber Peter. Ich kann natürlich nicht sagen, ob diese PP-Krankheit ansteckend ist oder nicht, aber mit einer gesunden philosophischen Grundhaltung könnest du dem schon einiges entgegenhalten.“
„Das stimmt schon, lieber Meister. Aber der Gedanke an eine unverdorbene neue Welt mit Namen Gliese 581c gefällt mir schon sehr gut. Daher meine dringliche Anfrage an alle Leserinnen und Leser: Kennt jemand von Euch Captain Kirk oder Scotty von der Enterprise persönlich? Die könnten mich doch dort raufbeamen!“

„Peter, dein Artikel ist gleich aus! Bitte verabschiede dich von unseren Leserinnen und Lesern.“
„Augenblick noch! Also nochmal: Leute, lasst mich nicht hängen, ich schreibe auch weiter für Abenteuer Philosophie, versprochen!
„Peter, komm zum Schluss!!!“
„Ich schicke die Artikel mit Super-Duper-Lichtgeschwindigkeit an die Redaktion, das klappt bestimmt!“
„Schluss! Aus! Basta! Weg da von der Tastatur!“
„Autsch! Auaaaaa! … Houston, wir haben ein Problem!“
(Peter Schmidt)
 

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